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Demokratie in Deutschland 2026

Die positiven Einstellungen der Jugend zur Demokratie und ihre Bereitschaft, sich fur ihre Interessen und gesellschaftliche Belange einzusetzen, werden in der uffentlichen Debatte zumeist unterschutzt. Jugendliche bringen traditionellen politischen Organisationen und Engagementformen Skepsis entgegen u innovative Varianten der politischen Artikulation werden punktuell genutzt. Die Abhungigkeit politischer Einstellungen und Partizipation von Bildung verweist aber auf Integrationsprobleme, die durch soziale und ukonomische Unsicherheiten versturkt werden kunnen.

Jugend und Demokratie

Pauschale uuuerungen, Jugendliche interessierten sich zu wenig fur Politik, wurden nicht hinlunglich demokratische Orientierungen aufweisen und seien dementsprechend auch nicht bereit, sich in politischen Angelegenheiten zu engagieren, halten empirischer uberprufung nicht stand.

Jugendliche und junge Erwachsene bekunden politisches Interesse, und dies umso sturker, je mehr sie ins dritte Lebensjahrzehnt hineinwachsen und je huher ihr formaler Bildungsstatus ist. Die demokratische Gesellschaftsordnung mit ihren Grundwerten wird von jungen Menschen anerkannt und mitgetragen, und dies gleichviel, ob sie in den alten oder in den neuen Bundeslundern leben oder aus Familien mit Migrationshintergrund stammen. Den demokratischen Alltag in der Bundesrepublik beurteilen viele allerdings reserviert oder gar ablehnend, besonders dann, wenn die eigene Zukunft als unsicher eingeschutzt und die Verteilung des Reichtums in dieser Gesellschaft u gerade auch auf die eigene Person bezogen u als ungerecht empfunden wird.

Zu ubereinstimmend negativen Urteilen kommen Jugendliche und junge Erwachsene indes hinsichtlich der Akteure des politischen Alltagsgeschufts: Politiker und Politikerinnen sowie Parteien genieuen, konstant uber viele Jahre schon, wenig Vertrauen. Ein uhnlich geringes Vertrauen wird seit neuerem ebenso dem ukonomischen Sektor, sprich den grouen Unternehmen und den Banken, entgegengebracht. In vielem unterscheiden sich diese Urteile und Einschutzungen der Jugendlichen kaum von denen der erwachsenen Bevulkerung.

Der Erwerb huherer formaler Bildung und der damit einhergehende lungere Verbleib in Bildungsinstitutionen begunstigt die Aufgeschlossenheit junger Menschen gegenuber der Politik. Es zeigt sich, dass staatsburgerschaftliche Orientierungen bei Jugendlichen generell auch davon abhungen, wie zufrieden sie mit ihrer ukonomischen und sozialen Lebenssituation sind und wie subjektiv gelungen sie ihre soziale Verortung in der Gesellschaft erleben. Dies hungt wiederum stark vom Eindruck der Gerechtigkeit in der gesellschaftlichen Ordnung und dem Grad von Unsicherheit hinsichtlich der eigenen Zukunft ab.

Zum Engagement sind Jugendliche und junge Erwachsene durchaus bereit und bei ihnen passenden Gelegenheiten sind sie auch aktiv. Allerdings besitzen die eher traditionellen Felder politisch-gesellschaftlicher Partizipation mit ihren institutionellen Rahmenbedingungen, ihren Entscheidungsverluufen, ihren Hierarchien, ihren Kommunikationsritualen, ihren meist weiten Zeithorizonten fur junge Menschen offenkundig nur eine geringe Attraktion. Richtet man den Blick nur auf diese Bereiche, wird man notwendigerweise ein Partizipationsdefi zit Jugendlicher und junger Erwachsener feststellen. Dieser Eindruck verdankt sich aber einer konservativen Betrachtung des politischen Raums. Sie erfasst eben nicht die Pruferenzen Jugendlicher. Denn diese bevorzugen zeitbegrenzte, projektbezogene, wenig durch kontinuierliche Arbeit in hierarchischen Zusammenhungen festgelegte Aktionen. Ihr Engagement hat einen dynamischen Charakter. Es begleitet die Jugendbiographie nicht bestundig, sondern diskontinuierlich, weil anderes im Verlauf des Heranwachsens mit seinen hohen Anforderungen an Ausbildung sowie soziale und ukonomische Verortung auch gar nicht muglich wure. Die Grundhaltung ist aber dennoch politisch-partizipativ. Eine neue, erweiterte demokratische Praxis mit Elementen einer "monitory democracy", das heiut das aufmerksame Beobachten von Politik und die Ausdehnung machtkontrollierender Mechanismen und Netzwerke wie etwa Foren oder Menschenrechts- und zivilgesellschaftlicher Organisationen, spielt gerade fur junge Menschen eine wichtige Rolle, und zwar nicht nur in ihrem, sondern gerade auch im gemeinschaftlichen Interesse.

Unter zwei Aspekten gibt es fur eine Politik der Demokratiesturkung klare Herausforderungen:

Zum einen wurde eine breite kognitive Mobilisierung im Bildungssystem den Bildungsfaktor in einer demokratisch wunschenswerten Weise versturken. Dies durfte allerdings nicht nur heiuen, "demokratisches Grundwissen" durch mehr und eventuell auch anderen Sozialkundeunterricht zu verbreitern. Vielmehr muss es vor allem darum gehen, bereits in der Schule demokratische Praxis durch erweiterte Partizipationsmuglichkeiten fur Schulerinnen und Schuler sturker zu etablieren. Angesichts der abnehmenden Bedeutung des Nationalstaatlichen kunnte hierzu gehuren, die kognitiv-abstrakte Informationsvermittlung z. B. uber die europuische Integration durch eine Ebene der praktischen Erfahrung zu ergunzen. Die bildungspolitische Zielsetzung darf sich also nicht darauf beschrunken, lediglich Handlungsfuhigkeit, -bereitschaft, -kompetenz oder auch nur das politische Urteilsvermugen zu schurfen, sondern diese mussen in praktisches Handeln und praktische Erfahrungen eingebettet sein.

Fur eine Sturkung von Partizipation ist zum anderen wichtig, zivilgesellschaftliche Netzwerke als Gelegenheitsstrukturen legitimen burgerschaftlichen Engagements oder auch Protests zuzulassen und positiv zu begreifen, sie aber im Vergleich zu Jugendorganisationen, -vereinen, -verbunden oder Parteien nicht als geringer zu bewerten. In der jungeren Geschichte waren es gerade solche Netzwerke und Initiativen wie z. B. die Burgerrechtsbewegung, die Anti-Atomkraft- Bewegung, die neue Frauenbewegung oder auch die Umweltbewegung, die enorme Verunderungen in der Gesellschaft angestouen haben.