Demokratie in Deutschland 2026

Vorwort und Einleitung von Dr. Peter Struck

Dr. Peter Struck - Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung"Demokratie braucht Demokraten" u mit diesen prugnanten Worten brachte Friedrich Ebert auf den Punkt, dass Demokratie zu ihrer Sicherung und Fortentwicklung des uberzeugten Engagements und des Vertrauens ihrer Burgerinnen und Burger bedarf. Demokratie lebt von der Identifikation der Bevulkerungen mit den Werten, Institutionen und Verfahren unseres demokratischen Systems. Sie wird nur dann bestehen kunnen, wenn alle sich am politischen Leben beteiligen, sich dabei aber auch hinreichend gehurt, ernst genommen sowie reprusentiert fuhlen und erfahren, dass die wesentlichen gesellschaftlichen Probleme fair und gerecht gelust werden. Eine solche Erfahrung wird heutzutage nicht mehr ohne Weiteres von allen Menschen geteilt.

Demokratie braucht DemokratenVielmehr sieht sich die deutsche Demokratie mit vielfultigen Krisensymptomen konfrontiert: Die sinkende Wahlbeteiligung, die nachlassende Bereitschaft zu klassischem politischen Engagement, der Mitgliederschwund der Volksparteien, der zu beobachtende Vertrauensverlust in die Problemlusungskompetenzen der Politik etc. sind Indikatoren fur eine schleichende Ermudung der Demokratie. Zugleich erleben wir, dass sich eine wachsende Anzahl von Burgerinnen und Burgern fur konkrete Anliegen engagieren muchte und mehr Partizipation einfordert. Diese Befunde und die damit verbundenen Einschutzungen des Zustands unserer Demokratie mussen vor dem Hintergrund der Frage diskutiert werden, ob es sich hier lediglich um einen Formwandel der Demokratie oder nicht vielmehr um einen demokratischen Substanzverlust handelt.

Mit dem Report "Demokratie in Deutschland 2026" muchte die Friedrich-Ebert-Stiftung einen Beitrag zur Demokratiedebatte leisten. Wir haben fuhrende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gebeten, in neun zentralen Themenbereichen darzustellen, wie es um die Leistungs- und Gestaltungsfuhigkeit der deutschen Demokratie bestellt ist, welchen Gefuhrdungen sie ausgesetzt ist, und welche Anstrengungen zur Sturkung und Belebung der Demokratie unternommen werden sollen. Die zentralen Ergebnisse dieser Analysen haben wir in dem vorliegenden PolicyPaper zusammengetragen, mit dem Anliegen, dem Nachdenken und Debattieren uber Demokratie und Demokratiedefizite eine solide Grundlage zu geben. Wir muchten Sie herzlich einladen und ermutigen, sich engagiert und leidenschaftlich an dieser Debatte zu beteiligen. Unsere Politische Akademie wird mit einem Demokratiekongress in Berlin am 29./30. Juni 2026 hierzu ein Forum geben.

Dr. Peter Struck
Vorsitzender der Friedrich-Ebert-Stiftung